Vom Nutztier zum Performer / Ethik

Vom Nutztier zu Performer:

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Zirkus (Zirkusreiterin) - Ernst Ludwig Kirchner, 1913

Ursprünglich wurden Tiere domestiziert, um den Menschen zu nutzen: Sie lieferten Nahrung, Kleidung (wie Wolle oder Leder), dienten als Transportmittel oder halfen in der Landwirtschaft. Im Lauf der Geschichte verschob sich der Nutzen mancher Tiere jedoch – von rein praktischen Aufgaben hin zu kulturellen, sozialen oder wirtschaftlichen Zwecken. Tiere wurden zunehmend zu Unterhaltungs- und Statussymbolen.

Bereits in antiken Kulturen wie Ägypten, Rom oder China spielten Tiere in Schauspielen, Zeremonien und Ritualen eine wichtige Rolle. Löwen, Elefanten oder Bären wurden in Arenen zur Schau gestellt oder bei Kämpfen eingesetzt. Hier begann die Entwicklung von Nutztieren hin zu „Performer-Tieren“, deren Zweck nicht mehr in direkter Versorgung des Menschen lag, sondern in der Darstellung von Macht, Exotik und Unterhaltung.

Mit dem Aufkommen von reisenden Zirkussen im 18. und 19. Jahrhundert, besonders in Europa und Nordamerika, wurde dieser Trend verstärkt. Exotische Tiere wie Elefanten, Tiger oder Seelöwen wurden gezähmt, dressiert und in Vorstellungen zur Schau gestellt. Die Tiere lernten Kunststücke, verhielten sich „menschlich“ oder besonders spektakulär – das faszinierte die Zuschauer und versprach hohe Einnahmen. Zirkustiere wurden nicht mehr als Arbeitstiere betrachtet, sondern als Showstars.

Parallel dazu entstand im Tourismus ein neues Geschäftsmodell: Tiere wurden zu Touristenattraktionen. Elefantenreiten in Thailand, Kamelreiten in der Sahara, Delfinschwimmen in Resorts oder Fotos mit Affen oder Raubkatzen – viele Tiere wurden gezähmt und an den Kontakt mit Menschen gewöhnt, um touristische Erlebnisse zu schaffen. Dabei rückte der wirtschaftliche Wert durch den Unterhaltungsfaktor in den Vordergrund, nicht mehr der Nutzen für Nahrung oder Arbeit.

Zirkus

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Tiger im Zirkus

Mit dem Aufkommen von reisenden Zirkussen im 18. und 19. Jahrhundert, besonders in Europa und Nordamerika, wurde dieser Trend verstärkt. Exotische Tiere wie Elefanten, Tiger oder Seelöwen wurden gezähmt, dressiert und in Vorstellungen zur Schau gestellt. Die Tiere lernten Kunststücke, verhielten sich „menschlich“ oder besonders spektakulär – das faszinierte die Zuschauer und versprach hohe Einnahmen. Zirkustiere wurden nicht mehr als Arbeitstiere betrachtet, sondern als Showstars.

Obwohl ihre artgerechte Haltung in einem Zirkus unmöglich ist, werden die Tiere nach wie vor zur Schau gestellt und müssen für die Unterhaltung von Menschen leiden.

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Zirkuselefant

Ob Tiger, Kängurus, Zebras oder Seelöwen – als Zirkustiere sind sie massivem Druck ausgesetzt, müssen ständig in anstrengenden Transporten von Ort zu Ort ziehen und miserable Haltungsbedingungen ertragen. Zirkustiere wie Elefanten und Löwen werden zu unnatürlichen Kunststücken gezwungen. Dafür werden sie oft von klein auf und teils mit Gewalt dressiert, wobei tierschutzwidrige Hilfsmittel wie Peitschen oder Elefantenhaken eingesetzt werden.

Die Zirkustiere müssen durchschnittlich 50 Mal im Jahr den Auftrittsort wechseln. Afrikanische Elefanten die sonst 70 Jahre alt werden können werden im Zirkus meist nicht einmal 30 Jahre alt.

Verbote:

27 EU-Länder haben die Wildtierhaltung in Zirkussen verboten oder eingeschränkt. Deutschland bildet das Schlusslicht. Außer den allgemeinen Regelungen des Tierschutzgesetzes gibt es in Deutschland nicht einmal rechtlich verbindliche Vorgaben für die Tierhaltung in Zirkusbetrieben. Die „Zirkusleitlinien“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft skizzieren zwar die Haltungsanforderungen für bestimmte Tierarten, sind aber nicht rechtsverbindlich.



Tourismus

Parallel dazu entstand im Tourismus ein neues Geschäftsmodell: Tiere wurden zu Touristenattraktionen. Elefantenreiten in Thailand, Kamelreiten in der Sahara, Delfinschwimmen in Resorts oder Fotos mit Affen oder Raubkatzen – viele Tiere wurden gezähmt und an den Kontakt mit Menschen gewöhnt, um touristische Erlebnisse zu schaffen. Dabei rückte der wirtschaftliche Wert durch den Unterhaltungsfaktor in den Vordergrund, nicht mehr der Nutzen für Nahrung oder Arbeit.

Beispiel:

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malender Elefant

Ein Elefant malt in einem Camp bei Chiang Mai in Thailand Bilder, die anschließend verkauft werden. Die Tiere wurden dafür gezielt trainiert. Besucher können die Elefanten dort füttern, reiten oder ihnen beim Malen zusehen.

Tierschützer kritisieren, dass die Elefanten oft nicht freiwillig malen, sondern mit schmerzhaften und grausamen Methoden dressiert werden. Es gibt Berichte über harte Trainingspraktiken bei Arbeitselefanten. Allerdings gibt es auch Camps, in denen laut einigen Aussagen keine Tierquälerei beobachtet wird.

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Baanksy the painting sheep


Ist es Kunst?

Sind Zirkustiere Künstler?

Eigentlich nicht, zumindest nicht im klassischen Sinne. Kunst setzt in der Regel ein bewusstes, kreatives Schaffen voraus – ein Ausdruck von Gedanken, Gefühlen oder Ideen. Zirkustiere führen Tricks aus, die ihnen antrainiert wurden, meist auf Befehl. Ob sie verstehen, warum sie etwas tun oder ob sie Spaß daran haben, ist schwer zu sagen. Oft geschieht es aus Konditionierung, nicht aus freiem, kreativem Antrieb. Deshalb würden viele sagen: Nein, Zirkustiere sind keine Künstler.

Sind die Trainer Künstler?

Das hängt von der Sichtweise ab. Wenn man Kunst als etwas betrachtet, das Geschick, Kreativität und Inszenierung verlangt, könnte man argumentieren, dass Trainer eine Art Performance-Kunst erschaffen. Aber hier wird es knifflig: Sobald Zwang oder Leid im Spiel sind, verliert es für viele den künstlerischen Wert und wird zur Ausbeutung. In einer ethischen Debatte sehen viele Menschen das Training von Tieren für Shows daher eher kritisch als künstlerisch.